
ueberwachungskamera-oranienburger-12-g-star.jpg

ueberwachungskamera-oranienburger-12-14.jpg
Wenn modernste Videoüberwachung versagt: London calling
• July 7. 2005 • POLITICAL AFFAIRS
Wir leben in einer Zeit der allgegenwärtigen Überwachung. Es nennt sich zwar noch Demokratie aber die großen Brüder aus den sozialistischen Bruderstaaten wurden längt übertrumpft.Die Technolgie machts möglich, GPS, RFID, DNA-Analyse, Biometrie, Augen- oder Irisscan, Fingerabdruck allenthalben. 2005 ist nicht 1984, 2005 hat einen Fortschritt von weiteren 21 Jahren.
Zu alldem Hochsicherheitstrakt-Komplex "moderne Welt" gehört auch und zuvorderst die Kamera- oder Videoüberwachung. Auch in Berlin schauen immer Leute zu, wenn ich mir am Sack kraule, in der Nase popel, meine Geheimzahl eintippe oder mit meiner Freundin knutsche. Komischerweise war im Fall als einem Freund die Karte widerrechtlich eingezogen wurde aber kein Notknopf da. Wir haben 2h auf meine Kosten damit verbracht uns durch diverse Hotlines durchzutelefonieren. Doch keine konnte helfen. Deutsche Bank hieß die Filiale.
Ja, auch wenn ich ganz normal auf der Strasse laufe werde ich gefilmt, vielleicht werde ich noch entdeckt, als Filmstar?
In London war die Videoüberwachung noch viel weiter, nicht nur der Überwachungsprofi-Rabenhorst schreibt darüber:
"Bombenanschläge in London, die an Madrid erinnern, in einer Stadt, die von allen Weltstädten als am besten ausgestattet mit optischen Überwachungsinfrastrukturen gilt, mit automatischer Nummernschilderkennung, zahlreichen, fest installierten Speed-Cams (Verkehrsüberwachungskameras) , umfangreichen Videoüberwachungsinstallationen nicht nur auf den Straßen, sondern gerade an Bahnhöfen und in den U-Bahn Stationen, ausgefeilte Bilderverarbeitungsalgorithmen mit automatischer Objekterkennung, einer Menge von CCTV-Kontrollzentren im ganzen Land, ergänzt durch biometrische Identifizierungstechniken und erweitert um eine Maximierung des Datenaustauschs zwischen allen Sicherheits- und Geheimdienstbehörden wie in allen europäischen und nordamerikanischen Staaten."
Auch Netzpolitik folgt meinem Beispiel beim governet.blog oder schreibt es parallel. Flächendeckende Videoüberwachung schützt nicht vor Anschlägen.
Wie die USA mit ihren unzähligen Geheimdiensten (unvollständige Liste verlinkt), jedes Ministerium hat schon einen, wurde nun London, eine flächendeckend videoüberwachte Stadt samt ebensolcher Überwachung der "öffentlichen" d.h. hierbei privatisierten Verkehrsbetriebe von den Anschlägen überrascht.
Ich muß nicht bei der Zeit schreiben um zu sehen: Das hat nicht geklappt. Es ist trotzdem passiert:
"Trotz der besonders scharfen britischen Antiterrorgesetze, trotz eines eigenen, kleinen Gefängnisses à la Guantanamo, trotz großflächiger Videoüberwachung schafften es die Mörder, gleich mehrmals zuzuschlagen."
Doch schon heulen die Wölfe, Trittbrettfahrer wie der rechte Hardliner Beckstein aus Bayern springen auf den Zug und rufen bereits nach weiteren Einschränkungen der Demokratie und noch mehr Überwachung...
Die Bundeswehr ist schon auf dem Vormarsch, als ob sie nur darauf gewartet hätte...
Wenn die Demokratie gänzlich abgeschafft wurde, dann werden erst Recht noch mehr Bomben explodieren, denn wo es immer weniger demokratische Möglichkeiten der Konfliktlösung bestehen sprechen eher die Waffen. Schon jetzt wurde das Militär auf die Straßen Londons beordert. Der Krieg kehrt heim aus dem Irak. Und dran glauben müssen mal wieder wir, die Zivilisten, die Kriegsgegner. Gerade London, wo wie in Madrid mehrmals Millionen gegen den Krieg demonstriert haben wurde angegriffen...
Es gibt keine Sicherheit solange es Krieg gibt. Schade, daß in solchen Momenten wir im Westen nur an unsere Opfer denken und kaum an die von uns verursachten...
Auf den Bildern, Überwachungskameras aus der Oranienburgerstr. 12 und 13-14. In der 12 wohnen gutbetuchte Normalbürger, in der 13-14 ist auch eine Institution untergebracht



6 COMMENTS
naja,naja
im Kern ist das alles schon wahr, aber nun so neu nicht,
Tadek. Die banale Erkenntnis ist doch: gegen perverse
Mörder (mit oder ohne ideologischen Unterbau) hilft
fast nichts.
Jeder kann jederzeit irgendwo eine Vielzahl von Menschen
verletzen. Irgendwo einen Benzinkanister ausgekippt, ein
Fläschchen mit finsterer Chemie oder Biologie in ein Konzert
geworfen...
Daß man sich dagegen nicht schützen kann, ist doch klar.
Ich weiß, worauf Du hinauswillst: die Ursachen bekämpfen,
die Ungerechtigkeit in der Welt, die Angriffskriege, die
Unterdrückung, den Staatsterror ... beseitigen.
No easy task.
Doch die perversen Säcke, die sich auf Websites brüsten
wollen, wieviel Tod, Zerstörung, Angst und Schrecken sie
verbreitet haben, werden von einer friedlichen Welt nicht
beeindruckt. Es wird sie immer geben. Und es wird immer die
geben, die sich ihre Kopf-abschneide-Videos downloaden.
Sie fangen klein an -
mit 'happy slapping' vielleicht, vielleicht mit ritualisierter
Gewalt im Windschatten ernsthafter, friedlicher politischer
Veranstaltungen wie dem Berliner 1.Mai. Du siehst doch
auch wie schwer es ist, am 1. Mai die angereiste milchbärtige
Dorfjugend davon abzuhalten, unsere Stadt anzuzünden.
Und schau sie Dir an: die allermeisten von ihnen führen
keinen Befreiungskampf. Sie wollen ihr Feuer in der Zeitung
sehen.
Die dichte Überwachung in London *wird* dazu führen, daß
man die (einige der) Täter faßt. Und dadurch möglicherweise
etwas verhindert.Die dichte Überwachung in London *hat* dazu
geführt, daß Anschläge vereitelt wurden (Millennium-Plots).
Dennoch: die dichte und zunehmende Überwachung
*ist* eine Bedrohung unserer Freiheiten.
Es ist nur nicht so einfach. Nicht so einfach schwarz
oder weiß. Es gibt Grautöne. Eine Menge davon. Wie-
viel 'Schutz' brauchen wir? Wieviel Freiheit wollen wir
opfern für Sicherheit? Hier geht es nicht um Träume
(ja, vollkommene persönliche Freiheit in einer unbedrohten
Welt - wer will das nicht?) - es geht um Realität. Die
Träume sollen und werden wir träumen, und wir müssen
aufpassen, daß der 'Schutz unserer Freiheit' nicht zu
einer 'Beseitigung unserer Freiheit' wird.
Du schreibst:
"Doch die perversen Säcke, die sich auf Websites brüsten wollen, wieviel Tod, Zerstörung, Angst und Schrecken sie verbreitet haben, werden von einer friedlichen Welt nicht beeindruckt. Es wird sie immer geben."
Sollen also die demokratischen Rechte für immer eingeschränkt oder abgeschafft werden?
Sollen wir auf immer und ewig totalüberwacht werden weil es ein Paar perverse Säcke gibt?
Weniger Demokratie wird sogar "normale" friedliche Menschen auf die Barrikaden treiben, Diese werden dann mit den Anti-Terror-Gesetzen verfolgt. Wie bereits vielfach im Umfeld der G8-Gipfel geschehen.
Die Wahrscheinlichkeit des Todes bei einem Terror-Angriff ist immernoch um ein mannigfaches geringer als die die bei einem Autounfall zu sterben. Werden die Autos jetzt abgeschafft, oder die Straßen? Nein, im Gegenteil das Straßennetz wird verbessert. Mehr Demokratie hilft der Demokratie, nicht weniger Demokratie.
Der KSK-Einsatz in Afghanistan und die Unterstützung der Unterstützung der US-Truppen beim Irak-Krieg ist russisches Roulette mit der Zivilbevölkerung auch dieses Landes.
Und noch was zu dem "perversen". Die Terroristen sind meist gebildete junge Männer aus gutem Hause die Ärzte werden wollen oder Ingenieure. Da sind keine Monster oder Perversen von Hause aus. Was treibt diese Leute dazu? Das gilt es zu erforschen und nicht die Gesellschaften an sich zu Gefängnissen umzubauen.
Ich habe Angst davor totalüberwacht zu werden weil das auch für mich eintreten wird. Einen Terroranschlag werde ich höchstwahrscheinlich zeitlebens nur aus den Medien kennen.
Übrigens den Personalausweis haben meines Wissens die Nazis eingeführt.
Schon mal den Film Brazil von Terry Gilliam gesehen?
na, Tadek, da liest Du doch am besten mein Posting nochmal durch.
Hättest Du wirklich gelesen, und wirklich verstanden, kämst Du nicht zu den rhetorischen Fragen am Anfang Deiner Erwiderung ("sollen also..... Sollen wir...?).
Das Gegenteil habe ich geschrieben.
Du antwortest auf Dinge, die Du in mein Posting hineinliest - weniger auf Dinge, die da stehen.
Um es etwas leichter zu machen, wiederhole ich meinen letzten Satz, der die Kernaussage ist: "Die
Träume (von vollkommener persönlicher Freiheit in einer unbedrohten Welt) sollen und werden wir träumen, und wir müssen
aufpassen, daß der 'Schutz unserer Freiheit' nicht zu
einer 'Beseitigung unserer Freiheit' wird."
Ja, die Wahrscheinlichkeit bei einem Autounfall zu sterben, ist höher, als bei einem Terrorangriff zu sterben. Willst *Du* deswegen das Autofahren abschaffen? Ja? Oder Terrorangriffe legalisieren? Ich verstehe Dich nicht.
Die Wahrscheinlichkeit eines natürlichen Todes zu sterben ist höher als die Wahrscheinlichkeit bei einem Autounfall zu sterben. Was müssen wir daraus für Konsequenzen ziehen? Laß Dich nicht zu diesen einfachen Abwägungen verleiten, zu diesem 'aber die haben angefangen'.
Und hier bleibe ich glasklar: mir ist es vollkommen egal, ob die,"die sich auf Websites brüsten wollen, wieviel Tod, Zerstörung, Angst und Schrecken sie verbreitet haben" von Dir für gebildet gehalten werden, ob sie aus 'gutem Hause' kommen, Ärzte werden wollten oder Ingenieure. Für mich sind die, die unschuldige Menschen verletzen oder töten 'perverse Säcke' - und mir ist es dabei egal, ob sie beim KSK arbeiten, bei den Seals, bei Osama, oder nur kleine Wichtigtuer sind.
Für *mich* gibt es keine 'guten' Unschuldige-Menschen-Umbringer. Für Dich?
Ja, Brazil habe ich gesehen. Guter Film.
ich will nicht "das kind mit dem badewasser rausschmeißen" oder wie geht diese redensart?
was nützt es wenn die demokratie, um sie zu schützen, quasi abgeschafft wird? bei dir klingt das so, ach naja wir müssen zwar aufpassen oder es schon ok so, wir müssen einschränken. ich denke die bisherigen einschränkungen in england haben eben gezeigt, daß diese nicht verhindern, sie schränken bloß alle menschen zusätzlich ein.
ich halte auch niemand für gebildet, diese leute kommen von unis, das steht in den studien und auch in den artikeln über die täter vom 11. september. es ist zu einfach sich seine feinde als unmenschen, pervers oder krank oder sonstwas zu betrachten. man muß überlegen welche motive haben sie und woher kommen diese motive. (in jedem krieg werden die gegner verteufelt. ich habe aus den vorangegangenen kriegen gelernt da nicht sofort drauf einzusteigen.)
ich bin pazifist und bin damit gegen jede form von gewalt, ich dachte das hört man raus.
wie auch immer, ich wollte dich nicht angreifen, wir sind offenbar fast der gleichen meinung.
auf telepolis ist ein artikel der gut beschreibt was ich meine:
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/20/20490/1.html
bei brazil ging es doch auch um normale leute die als terroristen abgestempelt wurden, das wird in zukunft immer öfter passieren. in gauntanamo saßen auch unschuldige.
die verantwortlichen für den krieg müssen auch druck von unten bekommen die kampfhandlungen die terror auch bei uns verursachen einzustellen.
also wie du schon sagtest, ursachen bekämpfen, nicht nur symptome.
yep:
ursachen bekämpfen, nicht nur symptome.
Wir sehen hier ein Problem beim Austausch geschriebener Texte:'bei Dir klang das so','ich dachte, man hört das raus', etc...
Ist heikel.
für eine tiefere - und sicherlich spannende Diskussion - sollten wir uns mal treffen. Live.
Für die Mitleser ist unser kurzes Pingpong vielleicht ganz anregend.
take care!
yup, persönlich ist immer am besten und man sagt ja, daß ich hier am hof öfters mal zugegen sein soll. wenn Du mal vorbeikommst können wir eine runde schachboxen einlegen oder sowas.